Archäologischer Fund aus dem Mittelalter

Beim Abriss des alten Schulgebäudes neben dem Friedhof in Crostwitz wurden am 2. Februar 2004 drei mannslange aus Granit geschlagenen Steine und ein vierter als Bruchstück eines ursprünglich ebenso großen Steine geborgen. Diese mehrere hundert Kilogramm schweren Steins werfen ein Schlaglicht auf den bedeutendsten Epochenwandel des Mittelalters. Sie waren bei Errichtung des Schulgebäudes 1837 in die Fundamente verbaut worden. Auf den Steinen zeichnen sich eingemeißelte bzw. herausgearbeitete Kreuzdarstellungen aus. Von anderen Orten Sachsens sind derartige Steine in Zusammenhang mit Friedhöfen des 11. oder 12. Jahrhunderts bekannt.

Damit zählen sie zu den ältesten Zeugnissen des damals in Sachsen noch jungen christlichen Glaubens, der sich jedoch schon vollständig gegenüber den heidnischen Bekenntnissen der einheimischen Sorben durchgesetzt hatte. Die Steine dienten als sichtbare Abdeckung von Gräbern und wurden von den Angehörigen der hier Bestatteten während des regelmäßig wiederkehrenden Totengedenkens aufgesucht. Bei diesen Gelegenheiten wurden wahrscheinlich die kleinen Eintiefungen, sogenannte "Schälchen", in einen der Steine gemeißelt. Die Kreuzdarstellungen hingegen, ebenso wie Kreis und Beil auf einem der Steine, schmückten von Anfang an die Steinoberseiten. Darstellungen von Handwerksgeräten auf hochmittelalterlichen Grabsteinen sind geläufig. Sie erlauben Rückschlüsse auf den Beruf des Verstorbenen und belegen zugleich das Ansehen, das Handwerker genossen.

Die bei der Ausgrabung der Fundamente anwesenden Archäologen erkannten sofort die Bedeutsamkeit des Fundes und transportierten die Steine zu weiteren Untersuchungen in das Archäologische Institut nach Dresden. Solch ein Fund gehört zudem der gesamten Öffentlichkeit und wird vom Archäologischen Institut zu Ausstellungszwecken an Museen verliehen. Der Pfarrer der Gemeinde, Clemens Rehor, bemühte sich jedoch um die Anfertigung von Kopien, die anstelle der Originale in Crostwitz dauerhaft ausgestellt werden konnten. Bei der Neugestaltung des ehemaligen Schulareals wurde dafür eine besondere Stelle eingerichtet.

Am 29. Oktober 2007 wurde die Gedenkstätte durch Pfarrer Clemens Rehor feierlich eingeweiht. Zahlreiche Gemeindemitglieder begleiteten die Zeremonie. Somit sind die gefundenen Steine 100 oder 200 Jahre älter als die ersten Schriftzeugnisse des christlichen Glaubens im Zusammenhang mit der Erwähnung der Pfarrei Crostwitz im Jahre 1225.

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